Planet Germania - Über die Chance, fremd zu sein von Artur Rosenstern


Titel: Planet Germania - Über die Chance, fremd zu sein
Autor: Artur Rosenstern
Veröffentlicht: 2015
Seitenzahl: 180
Verlag: Verlag Monika Fuchs
Serie: Nein.
Genre: (Fiktionale) Biographie
Preis: 11,90€
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Zum Cover:
Ich weiss ehrlich gesagt nicht, welches Cover mir besser gefällt. Das "Alte", mit einem 80-90er Jahre Flair der einen sofort in die Zeit des Buches wirft, oder das "Neue" mit den Marsmännchen auf dem Weg nach Deutschland. Beide Cover passen zu dem Buch und obwohl ersteres etwas ernsthafter rüberkommt, zieht letzteres wahrscheinlich deutlich mehr Blicke auf sich.

Zur Geschichte:
Andrej, ein junger Kasache mit schwäbischen Vorfahren, kommt quasi ohne ein Wort Deutsch zu können, nach Deutschland. Dort ist einer der ersten Sätze die er hört: "Hascht du viele PS, bischt du was, hascht du wenig PS, bischt du nix". Andrej nimmt sich also vor ein Auto zu kaufen. Vorher müssen aber noch ein paar Dinge geklärt werden. Das Ziel: ein echter Wessi zu werden. In Hannover, wo angeblich das beste Deutsch gesprochen wird, trifft er auf seinen ehemaligen Schulkameraden Murat, der es auch zu etwas bringen möchte: erst Millionär, dann Präsident von Kasachstan.
Doch bevor sie ihre Pläne umsetzen können, müssen die beiden sich mit der neuen Kultur, der neuen Sprache und den neuen Menschen auseinandersetzen. Es beginnt ein mal lustiges, mal bewegendes und mal nervenaufreibendes Abenteuer in der fremden, neuen Heimat namens Deutschland.

Meine Meinung:
Als ich das Buch vom Autor angeboten bekam, habe ich nicht zweimal überlegt. Als Tochter eines nicht-Deutschen, als Deutsche in Spanien, als Wiedereinwanderin, als Freundin eines Sohnes zweier Russlands-Deutscher (lustigerweise auch aus Kasachstan), MUSSTE ich das Buch einfach lesen! Und ich wurde nicht enttäuscht!
Die Geschichte von Andrej wird durch den Autor so toll erzählt, dass er einem sofort sympathisch ist ohne viel getan zu haben. Seine irgendwie kindliche Naivität, wie man im Westen zu etwas wird, trifft auf einen doch starken Kampfgeist, der zwar manchmal etwas gedrückt wird, aber meistens die Hürden auf sich nimmt. Der Kulturschock ist nicht ohne. Deutschland wurde in seiner Heimat ganz anders dargestellt als es eigentlich ist und Andrej hat oft Probleme mit der sehr öffentlichen Darstellung deutscher und internationaler (westlicher) Werte.
Bei Murat hatte ich oft das Gefühl, ein kleines Kind vor mir zu haben. Er ist quasi die Verkörperung eines am ökonomischen und sozialen Aufstieg orientierten-Sowjet, die ein bisschen durch den Kakao gezogen wurde. Dies geschieht jedoch nicht im negativen Sinne! Ganz und gar nicht! Trotz Murats etwas anderen Einstellung wird er sehr liebevoll dargestellt.
Die weiteren Charaktere sind nicht unheimlich rund, was aber kein Problem ist, denn es geht nur um Andrej und Murat und wie sie sich nach und nach besser in diesem Tohuwabohu an Gesellschaft zurechtfindet. Dabei entsteht einiges an Situationskomik die den Leser auch in etwas schwereren Situationen an der Stange hält.
Artur Rosenstern hat es in seinem Debüt geschafft eine Brücke zwischen komischen Situationen und den Gefühlen eines "Neuen" herzustellen ohne Vorurteilen noch weiteres Holz zum Brennen zu liefern. Er hat mir wieder vor Augen geführt was für ein tolles Erlebnis und was für eine tolle Chance es ist einmal wirklich fremd zu sein. Nicht für 1 Woche oder 1 Monat, sondern auf unbestimmte Zeit.

Fazit:
Der Autor schafft es, trotz Kritik am Umgang der Westdeutschen mit den sowjetischen Einwanderern, nicht den Humor zu verlieren. So wirkt diese Geschichte nicht wie eine Moralpredigt, sondern ist spannend zu lesen und regt zum Nachdenken an, was gerade in der jetzigen Situation ein toller Stoss in die richtige Richtung ist.

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