All die schönen Dinge von Ruth Olshan



Titel: All die schönen Dinge
Autor: Ruth Olshan
Veröffentlicht: 2016
Seitenzahl: 304
Verlag: Oetinger
Serie: Nein.
Genre: Jugendbuch
Preis: 14,99€


Zum Cover:
Ich finde das Cover irgendwie süß, aber ein bisschen zu kindisch für das doch sehr ernste Thema. Ich hätte bei diesem Cover eher etwas Bibi und Tina-mäßiges erwartet. Generell empfinde ich beim Anblick des Buches eher das Gefühl ein Kinderbuch in der Hand zu haben als ein Jugendbuch.

Zur Geschichte:
Tammie hat ein Aneurysma. Seit der Diagnose muss die 16-Jährige alle Anstrengungen vermeiden, da dieses sonst platzen könnte und sie entweder daran stirbt oder zu einem Pflegefall wird. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Tod eine große Rolle in Tammies Leben spielt und sie ein merkwürdiges Hobby entwickelt: die Suche nach dem perfekten Spruch für den eigenen Grabstein. Etwas makaber, aber durch dieses Hobby lernt sie eines Tages einen Jungen auf dem Friedhof kennen und schon bald verändert sich ihr Blick auf die Dinge.

Meine Meinung:
Der Klappentext des Buches lässt an eine traurige Geschichte über ein krankes Mädchen denken, das ist jedoch so weit gefehlt, weiter geht es quasi gar nicht mehr. Schon in den ersten Sätzen wird klar, dass Tammie kein depressives Mädchen ist, dass sich in sich selbst verkriecht. Während ihre Eltern mit der Diagnose zu kämpfen haben, nimmt sie diese deutlich lockerer auf und macht das beste daraus. Mit viel Humor beschreibt die Autorin die Geschichte der jungen Tammie und ihrer Familie.
Alles schön und gut, doch wohin soll das Buch führen? Die ganze Zeit über war ich mir nicht sicher, was eigentlich das Ziel der Geschichte sein sollte. Ja, ich bin jemand der nach einem Ziel sucht. Eine Entwicklung der Geschichte in eine gewisse Richtung ist mir wichtig. Sonst kann ich ja auch ein Buch über meinen Einkauf verfassen dessen letzte Seiten beschreiben wie ich den Supermarkt ohne Einkauf verlasse. Sinnlos.

"Wenn er platzt und das Blut mein Gehirn überschwemmt, ist das wie ein Tsunami, der sich über eng bebaute Straßen ergießt und alles mit sich reißt. Und ich sterbe dann oder ende als Fallobst im Rollstuhl" (Seite 17).

Tammie ist mir von Beginn an sympathisch gewesen. Sie hat sich mit dem Aneurysma auseinandergesetzt, versinkt aber nicht in Depressionen, sondern lebt einfach weiter. Der Humor mit dem sie ihre Situation beschreibt, zeigt was für eine starke junge Frau sie ist.
Was mich an ihr gestört hat, ist dass sie selbst nicht eingesehen hat, dass ihre Eltern die Diagnose auch verarbeiten müssen und einfach auch mal Zeit mit ihr verbringen wollen. Ich fand es unheimlich egoistisch von ihr, wie sie mit ihren Eltern umgegangen ist. Ja, sie wird wahrscheinlich sterben, aber ihre Eltern bleiben zurück und wollen schöne Erinnerungen habe und nicht in einem leeren Zimmer stehen, weil Tammie meinte sie müsse alles wegwerfen. Das zwischenmenschliche hat mir hier in einem großen Maße gefehlt und ich hätte mir mehr Tiefe in der Beziehung gewünscht.
Fynn.. Hach ja. Ich weiß, er sollte süß und toll und liebenswert sein. Und natürlich wahnsinnig gut aussehen. Aber irgendwie kam nichts davon bei mir an. Nicht nur, dass er zu perfekt war, ich konnte ihm einfach nicht folgen. Er wurde so oberflächlich gehalten, dass die übertrieben schnell aufgekommene Beziehung zu Tammie mich in keinster Weise berührt hat. Auch wenn er quasi der Ansporn war, Tammie wieder auf die "happy side" des Lebens zurück zu holen, steckte nichts dahinter.
Am alles besten fand ich Okay. Okay ist Fynns Hund und Hunde sind einfach toll. Er war lustig, süß und hat mich als einziges wirklich berührt. Es liegt vielleicht daran, dass Tiere die besseren Menschen sind oder daran, dass es in den richtigen Momenten das richtige getan hat, ganz betiteln kann ich es nicht, aber er war derjenige der mir das Gefühl gegeben hat, die Geschichte geht weiter.

Der Schreibstil der Autorin ist locker und das Buch lässt sich flüssig lesen. Ihre Sätze sind kurz und bündig, sind aber mit Gefühlen versehen. Es sind bestimmte Arten eine Satz zu formulieren, die mich das Buch immer weiter lesen ließen. Trotzdem konnte die Geschichte mich nicht mitreißen. 
Fazit:
Ein schönes Debüt der Autorin Ruth Olshan, welches durch einen poetischen Schreibstil und eine wunderschöne Idee besticht, aber leider an der Umsetzung versagt. Bei so einem Thema erwarte ich Drama, Gefühle und Tiefe, davon war wenig bis nichts vorhanden.


1 Kommentar:

  1. Hallo,
    ach man das klingt ja nicht so berauschend. Ehrlich gesagt, habe ich mir so etwas schon gedacht. Es passiert in letzter Zeit zu oft, dass ich Bücher lese, weil mir die Idee total gut gefällt und dann ist die Umsetzung einfach .. meeh.
    Nun ja, was solls, dann werde ich auf dieses Buch wohl eher verzichten.
    Danke für deine Rezension.

    Liebst, Lotta

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